Auszug ASCVILARE

VERÖFFENTLICHUNGEN DES BISCHÖFLICHEN DIÖZESAN ARCHIVS AACHEN BAND 27

ASCVILARE

ESCHWEILER

IN SEINER GESCHICHTE
II. Teil 800 bis 1800
Zweite verbesserte Auflage

WALTER KAEMMERER
1977
B.Kühlen Verlag Mönchengladbach
Erstauflage 1968

Seite 158 ff.:

NOTHBERG

Zur Vorfrage nach ihrer Gründung konnten oben im Rahmen der größeren Landesgeschichte einige immerhin richtungsweisende Gedanken schon vorweggenommen werden. Hier bleibt übrig, die gleichen Urkunden von dort auch auf Aussagen über den Rechtszustand und die Baugeschichte des Nothberger Schlosses zu befragen71. Wir müssen uns nach wie vor damit

begnügen festzustellen, daß die Burg erstmals in jener Urkunde72 vom 27. Mai 1317 genannt wird, durch die Herr Reinald von Monschau und Valkenburg dem Prämonstratenserinnen-kloster Wenau das Patronat und die Einkünfte der Pfarrkirche "in Berge" schenkt und dabei den Altar der Burg im Grenzbereich der Pfarre (... cum altari dastri in Berge nocbis pertinente et infra limites dicte parochiae consistente... ) erwähnt. Es kann sich damals nur um ein festes Haus gehandelt haben, wie wir annehmen dürfen, um den Nothberger Hof (später nach ihren Pächtern auch Meuthens- oder Dahmenshof benannt). Denn die Urkunden73 1334 und 1354 unterscheiden sehr genau zwischen der Burg zu Monschau, der Burg zu Bütgenbach und dem "huys te Berge". Wir sahen ferner, wie nach männlichem Aussterben der Herren von Monschau und Valkenburg, denen unser Haus Nothberg damals zugehörte hatte, deren Besitzungen zunächst 1353 von Reinhard von Schönforst käuflich erworben74, von ihm aber schon 1356 tauschweise dem Herzog von Jülich überlassen worden waren. Bevor dieser Herrschaftstausch aber am 25. Juni 1361 im wesentlichen wieder rückgängig gemacht75 wurde, hatte der Herzog bereits am 18. April desselben Jahres das "Haus Berghe up der Inden" — jetzt zur Unterscheidung vom benachbarten (Laurenz-)Bergh, so genau bezeichnet — seinem Lehnsmann Emund von Engelsdorf überlassen76.

 

Diesem waren aber in der Folgezeit aus seinen mehrfachen Lehnsverpflichtungen gegenüber seinem Jülicher Oberherrn allerlei Schäden und Unkosten erwachsen, insbesondere aus kriegerischen Verwicklungen um die Burg Griepekoven (Kr. Erkelenz), an der die Engelsdorfer seit 1326 lehnsmäßig beteiligt waren, wie auch wegen aller Ansprüche und Forderungen von Bergehe up der Inden und von Wildenbergh und durch Einbußen bei weiteren jülichschen Fehden, namentlich an Knechten (schaelen), (Streit-)Hengsten, Pferden und anderen Sachen. Er vergleicht77 sich deshalb am 1. August 1385 mit dem Herzog und seiner Gattin dahin, daß ihm angesichts seiner treuen Dienste als Entschädigung Schloß und Haus zu Wildenburg mit Landen, Leuten, Herrlichkeit, Hoch- und Niedergericht und allem Zubehör überlassen wird, jedoch mit dem Zusatz, daß es ein "offenes Schloß" für die herzogliche Familie bleiben soll.

71 Kd 9, 1 (Düren) 286 ff. L. Breuer, Nothberg, Ein Heimatbuch, Nothb. 1954 (als Manuskr. gedr.). — E. Quadflieg, Zur Geschichte von Nothberg (ZAGV 77, 1965, 17/29), jedoch mit einigen ungenau wiedergegebenen Urkundentexten.

72 Regg. Ebff. Köln 4,217 Nr 983; Regg Aachen II, 112 Nr 222.

73 Lac. 3, 234 f. Nr 284 und S.423 A. 1.

74 Lac. 3,423 f. Nr. 519 und 468 f. Nr. 561

75 Lac 3, 521 ff. Nr 621.

76 Urk. Köln StA: HUA Nr 2322.

77 Urk. Arnheim RA: Archiv Culemborg Nr. 7612.

 


Die Schwierigkeiten zur Unterhaltung seiner Burgen waren — wenigstens soweit sie Nothberg betreffen mochten — damit keineswegs behoben. Denn Emund sah sich gezwungen, Haus und Schloß "Noetberge" mit einer Anleihe von 680 Gl. Zu belasten. Sein Sohn Gerhard übernahm wohl schon zu Lebzeiten des Vaters die Verwaltung der Burg. Jedenfalls löste er 1391 jene 680 Gl. Von den ursprünglichen Geldgebern ein78, als ihm sein neuer Schwager Werner von Palant diese Summe vorschoß.

Gerhard wurde aber auch weiterhin seiner Sorgen um Nothberg nicht Herr. Als ihm darum nach dem Tode des Vaters (1398) die Alleinverantwortung zufiel, traf er noch im gleichen Jahr ein neues Übereinkommen mit dem Schwager: Er verpfändete79 ihm unter dem 21. Dezember 1398 "Schloß und Burg zu Noitberge mit allen Zinsen, Pächten, Kapaunen, Hühnern, Mühlen, Korngulden, Artland, von Weihern, Büschen, von Renten und anderen Einkünften" für 1500 schwere rhein. Gulden auf vier Jahre. Das Haus scheint damals schon baufällig gewesen zu sein; denn die Vereinbarung sieht weiterhin vor: Wenn sein Schwager Werner von Palant außerdem in den vier Jahren noch 300 Gl. An die Burg verbauen soll oder muß, so darf das Schloß innerhalb dieser Zeit nicht eingelöst oder "beschuldet" (im Klageweg beschlagnahmt) werden. Herzog Wilhelm von Jülich anerkannte ausdrücklich die Gültigkeit dieses Vertrags in allen Punkten mit seinem Siegel.

Werner von Palant blieb auch nach Ablauf der vier Jahre im tatsächlichen Besitz von Schloß Nothberg. Denn bei der Heirat" seines Sohnes Johann d. J. mit Fulsgin von Schwalmen 1422 wurde den Eheleuten von Palantscher Seite aus das Schloß zu Noitberge nebst einer Jahresrente von 500 Gl., der Braut aber von ihrem Vater das Schloß und Haus St. Laurentius-Berg, als Laurenzberg mit seiner Herrlichkeit, dem hohen und niedern Gericht und allem Erb und Gut daran zugesprochen. Die endgültige Abfindung81 Johanns mit Nothberg erfolgte erst am 10. Oktober 1433 gegen Abtretung von zwei Zehnteinkünften zu Butzdorf (Pützdorf b. Aldenhoven) und Mertzen (=Merzenich?). Doch sollten diese Zehnten nach des Vaters Tod wieder an ihn zurückfallen. Wenn aber am Schloß Nothberg Bauten oder Ausbesserungen notwendig würden und Johann sie auszuführen gedächte, so darf er das Schloß als Erbe behalten, allerdings unter Anrechnung auf sein Kindteil nach des Vaters Tod.

Daß es hierbei um handfeste Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn ging, lassen die weiteren Bestimmungen dieser Urkunden erkennen. Denn es wird dem Sohn auch auferlegt, sich auf keine "Sachen von Kriegswegen" außerhalb des Schlosses noch darinnen einzulassen, es sei denn mit Wissen und Willen des Vaters und in dem Zwist, der vorzeiten zwischen den Fischern von Palant und von Nothberg im (Inde-)Wasser entstanden war, kam man nun überein, daß Johanns Fischer auf dem Mühlenweg "(um)kehren und wenden" sollen, und von da ab niederwärtzs ihnen keine Fischereirechte mehr zuständen,

Diese Besitzregelungen an Nothberg wurde durch die nachfolgende Erbteilung aller Kinder von 1456 bestätigt; das Schloß mit seinem Zubehör blieb fortan bei dieser Palantlinie bis zu deren Aussterben mit Johann V. (1591) bzw. dem Tode seiner Frau Anna von Gertzen i. J. 1611. In den Jahrzehnten danach dürfte es zum Neubau der Burg in ihrer späteren Gestalt gekommen sein. Das jedefalls läßt sich mit gutem Fug aus einer Urkunde82 vom 1. Februar 1470 erschließen, durch die Johann (1.), damals im Witwenstand (Zo eyniger hant gesessen), mit Zustimmung seines Sohnes Johann (II.) d. J. und seiner Eidame Ritter Heinrich von Drachenfels und Johann von Merode sein Haus "Die Alde burch zo Noitberge, so wie die gelegen ind gestalt is" binnen und baußen ihren "begriff' und fort mit ihren "wijeren, demmen, bongarden, garden, oifftz- ind echer­boemen82a umb die burch staynde ind mit umbrynt seven vierdelen beendtz bij der burch", mit

78 Abdr.: Beitr. 2, 148 (Quix)

79 Orig. im Eschw. Pfarrarchiv; Abdr. C. Quix, Das Schloß Nothberg (Zs. f. vaterl. Gesch. un Alterth-kde. 6, Münster 1843, 171 Nr. 2) auch Beitr. 1, 90 ff.

Origg. 1) Köln StA: HUA Nr. 9908; 2) Schloß Gymnich: Arch. Vicomte de Maistre, Urk. 113

81 Orig. im Pfarrarch. Laurenzberg; Abdr.: Quix a. a. 0. 172 Nr. 3 und Beitr. 1, 135 f.

82 Köln StA: HUA Nr 13096, Orig. m. 7 Hgsgl.

82a d. i. Obst- und Eichenbäume

 


genügend Brandholz aus dem Walde, ausgenommen allerdings den großen Weiher hinter der Burg im (Tal-)Grund, und dazu 76 Erbmalter Roggen und 6 Pfennig bester Korngulden für 906 l/2 rhein. Gulden in Erbkauf, doch auf Ablösung an die Eheleute Wilhelm und Wilhelman von Lyntzenich. In Wahrheit handelte es sich also nicht um einen Hausverkauf im üblichen Sinne, sondern um den Versatz des Hauses, sicherlich um neue Geldmittel für den kostspieligen Neubau aufzubringen.

Die Herrlichkeit Nothberg war seit längerem — durch Verfügung83 Herzog Wilhelm III. vom 26. September 1401 — Bestandteil des jülichen Amtes Wilhelmstein und Nothberg an den Ritter Werner von Merode 1457 verpfändet. Jedenfalls treten seit 1496 die Palants als Amtsleute auf, zuerst der damalige Burgherr von Nothberg, Johann IH., ebenfalls jülischscher Landdrost. Unter ihm gab es nun etliche "Irrtümer und Gebrechen" mit der Nothberger Gemeinde. Durch eine Verhandlung vor herzoglichen Räten in Jülich wurde versucht, diese Mißstimmigkeiten auszuräumen.

Das Protokoll84 vom 3. Februar 1514 verzeichnet darüber die folgenden Einzelpunkte:

  1. Zum Anspruch der Gemeinde, Gerechtigkeit zu haben "auf dem Busch, genannt das Burgholz" (d.i. das im Alsdorfer Lagerbuch mundartlich verzeichnete "Borkes"), haben die Mannen beim Dingmal zu Jülich aufgrund ihres Waldbuches festgestellt, daß den nachbaren keine Gerechtsame auf dem Walde zuständen; auch hätten die Nothberger Schöffen als Vertreter der Gemeinde hierin kein Mitspracherecht. Doch will der Herzog für den Amtmann einen Tag benennen lassen, zu dem dieser sämtliche Mannen, das Waldbuch und auch die Schöffen und Gemeinde dahin "bescheide" lassen soll, um zu erfahren, wie es fortan mit dem Busch zu halten sei!

  1. Zur Klage der Gemeinde wegen "etlicher Überbauung zu Nothberg" die geschehen sei, habe man sich allerseits geeinigt, den Bau zu besichtigen und nach Befund der Billigkeit halber zu handeln,

  2. In der Klage der Gemeinde, daß die (Bann-)Mühle nicht mehr da liege, wo sie vorher gelegen habe,

beließen es die Räte bei der Aussage des Amtmanns, daß die Gemeine es seinerzeit seinem sel. Vater

"gegönnt und zugelassen" habe, die Mühle alda (neu) zu bauen, und sie bestände nun schon ungefähr

26 Jahre dort.

  1. Den (Schöffen-)Gerichten dort soll der Vogt anstelle des Amtmanns vorsitzen und über Klagen (wroigen) Gericht halten, wie von alters gewohnt

Die Gemeinde hat sodann dem Amtmann Schatzzinsen und Pachten zu geben, wie sie schon bisher getan, und ihm auch in allem gehorsam zu sein.

  1. Weil sich aber die Gemeinde über etliche Mißbräuche im Backen, Brauen und über die Gewichte beklagt, soll der Amtmann darin nach dem Rechten sehen, und auch sonst sich gütlich ihre Gebrechen vortragen lassen, wobei der Herzog ebenso wie beide Parteien sich einige Kosten und Arbeit ersparen können.

Unterzeichnet hatten dieses Protokoll neben anderen.. der damalige jülichsche Erbmarschall, die Juffer von Bovenberg, Jkr. Emondt von Merötgen, der Jkr. Von Holtzheim, Jkr. Hupert von Pattern und (als Vertreter der Gemeinde) Coin Grein, Reinhardt Weilers, Nollis, Wirt von Nothberg, Johann Lorsbeck von Noitberg und Everfeldt von Wirdt.

Noch vor dem Hinscheiden der letzten Burgherrin, jener oben schon erwähnten Frau Anna v. Palant geb. v. Gertzen, begannen die Rangeleien um das Nothberger Erbe, und jahrzehntelang stritten sehr entfernte Verwandte der Palants — Herren von dem Bagart zu Heyden, von Rolshausen zu Türnich, von Quadt zu Buschfeld, von Harff zu Alsdorf und von Elmpt zu Burgau — um die dortige Nachfolge, bis schließlich 1682 das Hofgericht in Düsseldorf dahin entschied85, daß die v. d. Bongard und die v. Rolshausen je 3/10, die v. Quadt aber 4/10 erhalten sollten.

Wie verwickelt die Erbansprüche der Beteiligten in der Zwischenzeit waren, lassen verschiedene Verwaltungsakte zur Genüge erkennen. So kam es 1641 zu einem Rechtsstreit86des Wilhelm von Harff zu

83 Düsseldorf HstA: Hzt. Jülich, Urk. 529.

84 Abdr.: Beitr. 1, 298 f.

85 Strange, Bongart S. 46. Vgl. dazu Düsseldorf HStA: RKG-Proz. 921/3180 (ZAGV. 20, 63 Nr. 2162).

86 Düsseldorf: RKG.-Proz. 380/1498: Wilh. V. Harf-Alsdorf gg. Erben v. Palant (ZAGV. 18, 171 Nr. 1008).

 


 

Alsdorf gegen die Erben von Palant, einen Grafen von Schwarzenberg und Otto von Bongart, um die Rechnungslage der Einkünfte zu Nothberg zunächst vor der Düsseldorfer Hofkanzlei, ein Prozeß, der bis zum Reichskammergericht hinauf führte. Um die gleiche Wirtschaftsführung kümmerte87 sich sodann während einiger Monate i. J. 1673 der Trierer Domherr Adolph Wilhelm Frhr. Von Quad zu Buschfeld, vielleicht im Auftrage auch der anderen Miterben. Man erfährt bei dieser Gelegenheit mancherlei willkommene Einzelheiten über die damalige Ertragsfähigkeit der Burg. So hätte der Grundbesetz, 1666 (in runden Zahlen) 233 Malter Roggen, 10 Mlr. Gerste, 109 Mlr. Hafer, dann 66 Stück Kapaunen und 88 Hühner, derner an Pacht von Wiesen und an Holzertrag 700 Gl. Erbracht. Die nachfolgenden Kriegsereignisse ließen diese Einkünfte erheblich zurückgehen. Das etwa zeigte sich am Holzeinschlag im Kammerbusch, wo 1673: 20 Morgen, 1674: 18, 1678: 4 und 1679: 14 Morgen gefällt worden sind. Die Rechnung des Rentmeisters von Nothberg zum Jahre 1676 hat auch die Zehnteinkünfte der zugehörigen Orte und Einzelgüter aufgestellt; daraus entnimmt man, daß der Zehnt zu Hastenrath 13 Mlr. Korn betrug der zu Weisweiler 51/2 Mlr. Und der Hof dort nochmals 12 Mlr.; weiter der Zehnt zu Scherpenseel 40 Mlr. und der zu Nothberg selbst 12 Mlr. Daneben erbrachten die Erbpachten von Ländereien jenseits der Inde 14 Mlr., zu Weisweiler 11 Mlr., zu Nothberg 151/2 Mlr. und zu Bettendorf 58 Mir. Auch die vier Mühlen auf Nothberger Gebiet, von denen man bei dieser Gelegenheit hört, mußten jährliche Abgaben entrichten, und zwar die oberste Kornmühle, wohl die später so genannte Hovermühle, 50 Mlr. Roggen, die Kupfermühle 25 Reichstaler, die Papiermühle, nachmalige Knippmühle, 43 Rtlr. Und die 011igs(=Öl)-mühle 10 Rtlr. Diese Zahlen, im Vergleich zueinander betrachtet, helfen das Wirtschaftsgefüge des Nothberger Landes in jenen Jahren ein wenig verdeutlichen.

Eigentlicher Herr und Bewohner Nothbergs scheint im 18. Jahrhundert der Freiherr von Rolshausen gewesen zu sein, während sich die anderen Mitteilhaber wohl auf gewisse Nutzungen, insbesondere das Jagdrecht, beschränkt hatten. Darüber dürfte nicht zuletzt ein Bericht88 von 1783 aufschlußreich sein, in dem der Rentmeister Franz Lohn zu Weisweiler auf eine Anfrage des Hofkammerrats Brixius auf Schloß Arenfels am Rhein Auskunft über die Jagdverhältnisse zu Nothberg gab.

Das Haus Nothberg so heißt es darin hat Jagdrechte in den kurfürstlichen Hoch- und Niederwaldungen, auch in der Wehrmeisterei, auf "grob und klein Wild" jedoch gemeinsam mit Weisweiler, Merode, Gurzenich, Boisdorf Gey, Maubach, Burgau, Drove und Abtei Kornelimünster: dafür seien vom Pfalzgrafen 3-4 Amtsjäger angestellt. Weitere Jagdrechte bestünden auf der Nothberger Heide und im Burgholz, dort zusammen mit Merode zu Frenz, Weisweiler, Merötgen und Holzheim, sodann im Feldbezirk des Kirchspiels Nothberg und im Kammerbusch. Nun hätten der verstorbene Frhr. V. Quad wie auch die Feiherren v. Bongard und Leerod mehrmals dort einen Jäger gehabt, ihn aber wieder abgeschafft, weil sich der seiner Kosten wegen nicht gelohnt habe; so sei im Kammerbusch kein Hase zu sehen, un eine ausgemachter Jäger wie der Rentmeister Siegers hab auch mit Einsatz einer Hundekoppel dort dieses Jahr eine einzige Schnepfe abgeschossen. Gleichwohl übe diese Jagd "bestens" Freiherr von Rolshausen aus, auch der Freiherr v. Leerod und der Stammherr von Bongart, wenn er zu gewissen jahreszeiten auf seinen nahegelegenen Rittersitz Holzheim komme. Da nun diese drei Freiherren wegen des hauses Nothberg jagen, werde sich gewißlich der Freiherr v. Rolhausen "als auf dem Haus wohnender Mitherr" gegen eine Verpachtung der Jagd wenden, "wenn er jemand anderen als einen der Selbstherren um das haus jagen sehen muß".

Von den weiteren noch ziemlich undurchsichtigen Familienschicksalen der Nothberger Schloßherren muß hier abgesehen werden. Nur soviel sei dazu vermerkt, daß die Burg gegen Ende des 18. Jahrhunderts, wieder auf Heiratsumwegen, vorübergehend in den Besitz eines aus Brabant stammenden Ritters von Locquenghien, dannach an einen Herren Theodor Joseph von Wassenberg zu Lorsbeck bei Jülich kam. Als dessen Sohn August 1829 zu Nothberg als letzter seines Stammes verstarb, fiel der Burgbesitz nochmals an die Familie von Rolshausen zurück, diese verkaufte ihn 1842 für 24 000 Tlr. An den Notar Melchior Delhougne zu Dürwiß. Nach dem Tode des Notars kam das Rittergut Nothberg 1867 mit zugehörigem Grundbesitz von rd. 175 Morgen unter den Hammer und wurde in mehreren Teilen versteigert. Die Burg mit anklebenden 85 Morgen erwarb der Sohn des Erblassers, Bürgermeister Theodor Delhougne zu Weisweiler, für

87 Abrechnung des Rentmstrs. Winand Keuer, abgedr. Beitr. 2 117ff.

88

Beitr. 2, 138 ff.

 


15 255 Taler, verkaufte sie aber 1879 mit damals noch vorhandenen 80 Morgen Ackerland und Wiesen für 11000 Tlr. an Landwirt Peter Kever.

Der langsame Verfall des Herrenhauses bis zur heutigen Ruine setzte bereits Mitte des 18. Jahrhunderts ein, nachdem im Februar 1756 ein starkes Erdbeben hier wie in der ganzen Umgebung nachhaltige Schäden angerichtet hatte. Unterhaltungsschwierigkeiten für die jeweiligen Burgbesitzer trugen in der Folgezeit das ihre zur weiteren Vernachlässigung des Gebäudes bei. So verlor das Schloß um 1840 seine östlichen Ecktürme. Teile des schadhaften Mauerwerks wurden in den siebziger Jahren auf Abbruch verkauft. Letzte schwerste Beschädigungen am Ende des 2. Weltkrieges machten das Bauwerk vollends zu einer Ruine.

Soweit überlieferte Pläne und Ansichten Vergleiche gestatten, fällt bei solcher Betrachtung auf, wie sehr sich die Herrenhäuser von Palant und von Nothberg einmal geglichen haben dürften. Beide zeigten einen sehr regelmäßigen Viereckbau auf ganz oder nahezu quadratischer Grundfläche mit vier runden Ecktürmen. Sollte demnach beiden ursprünlich auch ein einheitlicher Baugedanke oder sogar derselbe Baumeister eigen gewesen sein? Eine Übereinstimmung der Bauzeiten ist nahezu gewiß.

Ein wenig vom ursprünglichen Bauzustand des Nothberger Schlosses läßt auch die jetzige Ruine noch erkennen. Sparsam verwendete gotische Kreuzsprossenfenster im Bruchsteinmauerwerk, schmale Verteidigungsschlitze an den Ecktürmen, schlichte Hausteingesimse und andere Merkmale weisen das Hauptgebäude in das 15. Jahrhundert; das stimmt zeitlich mit jenen oben bemerkten Nachrichten über notwendige Baumaßnahmen daurchaus überein. Die Reneaissanceteile des Schlosses —Riglyphen (=Dreitropfen)-Gesims und einem Flachgiebel mit Muschelfüllung, der ähnlich gestaltete Erker an der westlichen Giebelfront mit dorischen Pilastern, hier als Eckpfeiler gebraucht, und gleicher Giebelverzierung wie beim Portal und eine Außentür am Südwestturm mit Palantschem Wappen und der Jahreszahl 1555 — sind dagegen eindeutig Zu- und Anbauten, die dem italienischen Baumeister und jülichschen hofarchitekten Alessandro Pasqualini zugeschrieben werden.

Gut 300 Meter von der Schloßruine entfernt lag auf einer leichten Anhöhe die 1972 abgetragene Kirche. Vieles spricht dafür, daß ihre Gründung zeitlich dem Burgenbau vorausgegangen ist. Entstehung und Lageort der Kirche an dieser Stelle zwingen darum zu einiger Nachdenklichkeit. Denn nicht, wie etwa zu Röthgen und bei vielen anderen Burgenbauten, dürfte hier eine Niederlassung von Bauleuten und Hintersassen der Herrenburg nach einem eigenen Gotteshaus verlangt haben. Eher scheint es, daß dort ein altes Heiligtum, eine Art ursprünglicher und späterer Wallfahrtstätte, nach und nach Ansiedler um sich versammelt hat.

Seite 170:

Seit Angebinn seiner Herrlichkeit und später als Anhängsel des Amtes Wilhelmstein erfreute sich Nothberg eigener Gerichts- und Verwaltungshoheit in einem Schöffengericht. Dessen Siegel zeigte das Bild einer Burg, bedeckt von einem Schild mit dem Jülicher Löwen, und die Umschrift S(igilumm) -SCABINORUM DE BERGIS WALRAMI. Erst die Eingemeindung des Ortes in das Stadtgebiet von Eschweiler am 1. Oktober 1932 beendete jedwede Eigenständigkeit des fast 700jährigen Nothberg.